St. Malo, Dinard, Dinan, Montcontour, Langueux
19. Mai 2001

   Wiederum scheint am Morgen die Sonne. Diesmal verdeckt allerdings keine Wolke die Sonne, als ich startbereit bin. Gegen 07.00 Uhr mache ich mich Richtung St. Malo auf – den missratenen Ausflug nach Dinard will ich nachholen.
   Das gelingt mir auch, auf leeren Strassen fährt es sich leicht. Am Plage de Prieuré halte ich kurz an, blick hinüber nach St. Malo. Schön muss es sein, hier bei warmer Witterung zu baden, man wird bloss nicht der einzige sein, der das tut. Danach fahre ich ein Stück durch ein Viertel mit gepflegten Villen in üppigen Gärten. Still ist es, kein Mensch unterwegs, Dinard schläft noch dem Feiertag entgegen. Beim Jachthafen halte ich auf einem großen Parkplatz, wandere ein Stück die Promenade du Clair de Lune entlang bis zur Anlegestelle der Boote, mit denen man nach St. Malo hinüberfahren kann. Die Plage de l´ Ecluse sehe ich nur von weitem, ich verpasse die Zufahrt, aber dafür fahre ich auf einem steilen Strässchen zur ebenso schönen, aber intimeren Plage de St. Enogat hinunter. Auch hier bin ich um diese Tageszeit der einzige Mensch. Dafür fröhne ich ausgiebig dem Vergnügen eines Binnenländers: ich wandere den Strand entlang, immer freilich das Auto im Auge, damit es nicht von einem anderen gestartet wird. Das Hinschauen hätte mir zwar nichts genützt, was hätte ich denn, jetzt bei Ebbe weit draussen auf dem Strand, tun sollen, wenn ein Bösewicht mein Auto aufbricht? Schreien? Man kann halt nicht aus seiner Haut heraus.
   Keine Bösewichte in Dinard wach an diesem Morgen, mein Auto bleibt unberührt und unversehrt.
   Die Hälfte meiner Fotoausrüstung habe ich im Hotel gelassen. Daher, Dinard besichtigt, es wird nicht noch schöner, wenn ich bliebe, kehre ich ins Hotel nach St. Jouan zurück. Als ich gegen 9 Uhr endlich ein zweites Mal startbereit bin, herrscht im Hotel endlich Hochbetrieb: die Gäste gehen zum kargen Frühstück oder kommen – glücklich strahlend, es überstanden zu haben – schon wieder zurück; andere packen eifrig die Siebensachen, sie wollen weiter, noch andere Weltklassehotels wie dieses besuchen.
   Ich hingegen fahre nach Dinan, nehme aber die Schnellstrasse und von der dann die Abzweigung nach Dinan. Auf der Zufahrtsstrasse sehe ich einen Wegweiser nach links: Port Dinan. Die Strasse verläuft in einem engen Flusstal, ich fahre in einer Art Tunnel aus überhängenden, üppig belaubten Ästen, mitten durch Auwald. Nach einem Kilometer lichtet sich der Wald, ich sehe einen Fluss, die Rance natürlich, komme aus dem Wald heraus und bin mitten auf dem Hafenkai von Port Dinan. Man sieht den Fluss vor Booten nicht, sozusagen. Dinan ist nicht nur schön, es ist auch am Ende des Mündungstrichters der Rance und ein idealer Hafen für Sport- und Vergnügungsboote. Freie Anlegestellen sehe ich keine, das würde mich weniger bewegen, ich finde aber auch keinen Parkplatz. Im Internet gibt es ein Foto des Hafens, da wirkt der Kai ganz ausgestorben, ist aber ein Irrtum, dort herrscht nämlich Fahr- bzw. Parkverbot. Ich fahre ganz bis zur Brücke über die Rance vor, welche die beiden Flussufer verbindet und auf der anderen Seite gibt es dann endlich den gewünschten freien Parkplatz fürs Auto. Nimmt man diese Brücke als Zentrum des Hafens, stehe ich damit praktisch im Zentrum. Ich mache einige Aufnahmen des bunten Treibens auf dem Fluss und an den Ufern. Man kann eigentlich nur von der Brücke flussabwärts fotografieren, denn flussaufwärts überspannt eine moderne und entsprechend hässliche Brücke das Tal. Dort muss Dinan liegen. Gegenüber der alten Brücke finde ich die schmale Rue du Jerzual, die ich aufwärts wandere. Diese Strasse ist auf beiden Seiten von teils mittelalterlichen Fachwerkhäusern begrenzt und stellenweise so schmal, dass gerade ein Auto durchfahren könnte. Bemerkenswert, war doch diese Strasse bis ins 19. Jahrhundert die einzige Zufahrt vom Flusstal mit dem Hafen der Stadt in die Oberstadt hinauf. Auf der kopfsteingepflasterten Strasse, wie ich sie halt nennen will, komme ich ganz schön ins Schnaufen. Muss ein rechtes Vergnügen gewesen sein, mit einem schwerbeladenen Ochsenkarren da hinauf zu fahren. Nicht bloss für die Ochsen, welche freilich die Hauptbeitrag dazu leisteten, auch nicht für den Kutscher, vor allem, wenn ein anderer Ochsenkarren entgegenkam. Und für die Bewohner der Häuser ein rechtes Gelärme. Ohne das hätten sie nicht leben können, fällt mir ein, denn damals wohnten in diesen Häusern Händler mit allen möglichen Waren und es gab eine Reihe von Schenken. Heutzutage findet man in der Rue du Jerzual keine Schneider mehr und keine Fleischer etc., sondern ausschließlich Pizzerias und Creperies und – Galerien. Eine ganze Strasse voll mit Galerien, mit Gemälden, Zeichnungen, Scherenschnitten, Kunsthandwerk aller Art und Alter, Andenken. Und alle kommen sie auf ihre Rechnung, dem Fremdenverkehr sei dank. Mit mir machen sie kein Geschäft, wollen sie auch gar nicht, denn wegen mir sperren sie ihre Geschäfte nicht auf. An diesem Feiertag schlafen sie länger und tun gut daran, denn ich hätte ihnen ohnehin nix abgekauft.
   Etwas keuchend in der Stadt oben angekommen, wandere ich ein wenig ziellos durch die Stadt. Mittelalterlich ist hier nicht mehr viel, zumindest nicht die Strassen und Gassen, auch wenn an allen Ecken und Enden schöne alte Fachwerkhäuser stehen, manche mit den charakteristischen vorkragenden Obergeschossen. Dennoch finde ich mehr durch Zufall als durch Plan auf den Place Guesclin mit schönen alten Häusern und anschließend in die Rue de l´Horloge, eine recht malerisch wirkende Gasse, von der aus ich einen schönen Blick auf den Uhrturm habe. 
   Anschließend wandere ich auf die Stadtmauer hinauf, im 13. Jahrhundert errichtet und weitgehend erhalten. Ich erreiche die Stadtmauer an jener Stelle, von der aus man einen schönen Blick auf den Hafen und die Rance tief unten hat. Dabei entdecke ich auch, dass ich auf einem Fußweg zur hässlichen Brücke aus Beton hinuntersteigen kann, von der ich dann den Blick auf den Hafen von Dinan haben werde, den das Bild im Internet zeigt. Das tue ich nun auch, denn was es für mich zu sehen gibt in Dinan, ohne irgendein Museum zu besuchen, habe ich gesehen. Eine Galette mit Zucker und Butter habe ich auch gegessen. 
   Von der Brücke habe ich sodann den gewünschten Ausblick auf den Hafen. Bei schönem Wetter müsste das schöne Fotos ergeben, indessen, dicke Wolken verdecken die Sonne, mir scheint, gleich würde es zu regnen beginnen. So mache ich bloss einige Aufnahmen, von denen ich gleich im Augenblick der Aufnahme weiss, dass sie mir nicht gefallen werden. Sei´s drum.
   Beim Auto angelangt, überlege ich, was ich als Nächstes tun könnte. Chateau Caradeuc könnte ich besuchen, das selbsternannte Versailles der Bretagne. Besuchszeit erst ab 15 Uhr. Also kein Caradeuc.
   Ich entscheide mich, Richtung Westen zu fahren. Auf der prächtig ausgebauten N167 bis zur Schnellstrasse Rennes-St.Brieux, von der dann auf Seitenstrassen ausgerechnet nach Moncontour südlich Lamballe. Viele Ziele hätte es gegeben, aber Moncontour klang so besonders schön. 
   Die Stadt liegt auf einem Hügelkamm, ist von Stadtmauern umgeben, eine Festung gibt es auch. Ich fahre in die Stadt hinauf, parke vor einem Supermarkt. Zur Kirche gehe ich, schön, alte Häuser, gut, aber Festung? Ich mache per Auto eine Stadtbesichtigung, indem ich durch etliche schmale Strassen fahre, zu einem Altersheim mit großem Parkplatz gelange, aber keine Festung. Also keine Festung für den Lausch. 
   Ich fahre weiter und auf der anderen Seite den Hügel hinunter Richtung Lamballe. Vom Tal aus blicke ich von einer steil ansteigenden schmalen Straße hinüber auf Moncontour – und da ist sie ja, die Festung mit ihren abweisenden Mauern. Da möchte ich kein Angreifer gewesen sein mit dem Auftrag, die Mauern zu stürmen. Keine Gelegenheit anzuhalten, kein Foto. Dafür scheint nunmehr die Sonne und sie wird bis zum Abend scheinen. Faustregel: Nachmittags ist das Wetter meistens schöner.
   Über Lamballe fahre ich auf der Schnellstrasse weiter nach Langueux. 
   Im Hotel Formule1 schaffe ich wiederum die Hürde des Computer-Check-ins, fahre anschließend unter der Schnellstrasse durch und zum Hypermarkt Carrefour, wo ich einkaufe und es mir dann im Hotel gut gehen lasse.
   Da es aber noch früh am Nachmittag ist und die Sonne beharrlich vom blauen Himmel scheint (wieder kündigt sich ein schöner Abend an, nach trübem Nachmittag), will ich die Zeit noch für einen Ausflug ans Meer ausnutzen.
   Daher fahre ich ins Ortszentrum von Langueux, das nur an der Kirche als solches zu erkennen ist. An der dortigen Straßenkreuzung biege ich rechts ab, halte mich dann links, sehe das Meer in der Ferne, finde aber keine Strasse, die zu einem Strand führt. Daher fahre ich nach Osten weiter, gelange in den Nachbarort Yffniac und fahre an einem eher unhübschen Schotterstrand vorbei. Da ich mich nicht entscheiden kann, wo ich am besten anhalten soll, bin ich unversehens auch schon aus dem Ort heraus und biege nach einiger Fahrerei in Richtung Hillion ab, einfach, weil der Wegweiser nach Westen zeigt. Ein Blick auf die Karte zeigt jedoch, dass dieses Hillion auf einer kleinen Halbinsel Langueux gegenüber liegt. Sei es. Hillion ist ein Minimalort, aber ich sehe immerhin Schilder zu mehreren verschiedenen Stränden, entscheide mich für einen davon, stelle auf einem steil abfallenden Parkplatz das Auto ab und wandere dem Meer zu. Ein steiler Felshang, ein Fussweg hinunter, unten eine relativ kleine Sandbucht - ich bin am selbstgewählten Ziel, einem Strand am Meer. Überzeugend ist der Strand nicht, immerhin sitzen einige Leute in Badekleidung im Schatten des Felshangs, denn ach, der Strand geht nach Norden und die tief stehende Sonne wirft lange Schatten. Mir ist nicht warm genug, auch nur die Zehen ins Wasser zu tauchen, versuchsweise. Auch den übrigen Badegästen ist anscheinend kühl geworden, als ich meinen Spaziergang den Strand entlang beendet habe, sind alle Badegäste fort und ich habe den Strand mit zwei Frauen und zwei Hunden für uns allein. 
   Ins Hotel zurückgekehrt, verbringe ich einen ruhigen Abend; mangels verständlichem Fernsehprogramms sinke ich recht bald in einen gesunden Schlaf.

eis

   Wie jeder

St. Malo, Dinard, Dinan, Montcontour, Langueux

  19. Mai 2001

   Wiederum scheint am Morgen die Sonne. Diesmal verdeckt allerdings keine Wolke die Sonne, als ich startbereit bin. Gegen 07.00 Uhr mache ich mich Richtung St. Malo auf – den missratenen Ausflug nach Dinard will ich nachholen.
   Das gelingt mir auch, auf leeren Strassen fährt es sich leicht. Am Plage de Prieuré halte ich kurz an, blick hinüber nach St. Malo. Schön muss es sein, hier bei warmer Witterung zu baden, man wird bloss nicht der einzige sein, der das tut. Danach fahre ich ein Stück durch ein Viertel mit gepflegten Villen in üppigen Gärten. Still ist es, kein Mensch unterwegs, Dinard schläft noch dem Feiertag entgegen. Beim Jachthafen halte ich auf einem großen Parkplatz, wandere ein Stück die Promenade du Clair de Lune entlang bis zur Anlegestelle der Boote, mit denen man nach St. Malo hinüberfahren kann. Die Plage de l´ Ecluse sehe ich nur von weitem, ich verpasse die Zufahrt, aber dafür fahre ich auf einem steilen Strässchen zur ebenso schönen, aber intimeren Plage de St. Enogat hinunter. Auch hier bin ich um diese Tageszeit der einzige Mensch. Dafür fröhne ich ausgiebig dem Vergnügen eines Binnenländers: ich wandere den Strand entlang, immer freilich das Auto im Auge, damit es nicht von einem anderen gestartet wird. Das Hinschauen hätte mir zwar nichts genützt, was hätte ich denn, jetzt bei Ebbe weit draussen auf dem Strand, tun sollen, wenn ein Bösewicht mein Auto aufbricht? Schreien? Man kann halt nicht aus seiner Haut heraus.
   Keine Bösewichte in Dinard wach an diesem Morgen, mein Auto bleibt unberührt und unversehrt.
   Die Hälfte meiner Fotoausrüstung habe ich im Hotel gelassen. Daher, Dinard besichtigt, es wird nicht noch schöner, wenn ich bliebe, kehre ich ins Hotel nach St. Jouan zurück. Als ich gegen 9 Uhr endlich ein zweites Mal startbereit bin, herrscht im Hotel endlich Hochbetrieb: die Gäste gehen zum kargen Frühstück oder kommen – glücklich strahlend, es überstanden zu haben – schon wieder zurück; andere packen eifrig die Siebensachen, sie wollen weiter, noch andere Weltklassehotels wie dieses besuchen.
   Ich hingegen fahre nach Dinan, nehme aber die Schnellstrasse und von der dann die Abzweigung nach Dinan. Auf der Zufahrtsstrasse sehe ich einen Wegweiser nach links: Port Dinan. Die Strasse verläuft in einem engen Flusstal, ich fahre in einer Art Tunnel aus überhängenden, üppig belaubten Ästen, mitten durch Auwald. Nach einem Kilometer lichtet sich der Wald, ich sehe einen Fluss, die Rance natürlich, komme aus dem Wald heraus und bin mitten auf dem Hafenkai von Port Dinan. Man sieht den Fluss vor Booten nicht, sozusagen. Dinan ist nicht nur schön, es ist auch am Ende des Mündungstrichters der Rance und ein idealer Hafen für Sport- und Vergnügungsboote. Freie Anlegestellen sehe ich keine, das würde mich weniger bewegen, ich finde aber auch keinen Parkplatz. Im Internet gibt es ein Foto des Hafens, da wirkt der Kai ganz ausgestorben, ist aber ein Irrtum, dort herrscht nämlich Fahr- bzw. Parkverbot. Ich fahre ganz bis zur Brücke über die Rance vor, welche die beiden Flussufer verbindet und auf der anderen Seite gibt es dann endlich den gewünschten freien Parkplatz fürs Auto. Nimmt man diese Brücke als Zentrum des Hafens, stehe ich damit praktisch im Zentrum. Ich mache einige Aufnahmen des bunten Treibens auf dem Fluss und an den Ufern. Man kann eigentlich nur von der Brücke flussabwärts fotografieren, denn flussaufwärts überspannt eine moderne und entsprechend hässliche Brücke das Tal. Dort muss Dinan liegen. Gegenüber der alten Brücke finde ich die schmale Rue du Jerzual, die ich aufwärts wandere. Diese Strasse ist auf beiden Seiten von teils mittelalterlichen Fachwerkhäusern begrenzt und stellenweise so schmal, dass gerade ein Auto durchfahren könnte. Bemerkenswert, war doch diese Strasse bis ins 19. Jahrhundert die einzige Zufahrt vom Flusstal mit dem Hafen der Stadt in die Oberstadt hinauf. Auf der kopfsteingepflasterten Strasse, wie ich sie halt nennen will, komme ich ganz schön ins Schnaufen. Muss ein rechtes Vergnügen gewesen sein, mit einem schwerbeladenen Ochsenkarren da hinauf zu fahren. Nicht bloss für die Ochsen, welche freilich die Hauptbeitrag dazu leisteten, auch nicht für den Kutscher, vor allem, wenn ein anderer Ochsenkarren entgegenkam. Und für die Bewohner der Häuser ein rechtes Gelärme. Ohne das hätten sie nicht leben können, fällt mir ein, denn damals wohnten in diesen Häusern Händler mit allen möglichen Waren und es gab eine Reihe von Schenken. Heutzutage findet man in der Rue du Jerzual keine Schneider mehr und keine Fleischer etc., sondern ausschließlich Pizzerias und Creperies und – Galerien. Eine ganze Strasse voll mit Galerien, mit Gemälden, Zeichnungen, Scherenschnitten, Kunsthandwerk aller Art und Alter, Andenken. Und alle kommen sie auf ihre Rechnung, dem Fremdenverkehr sei dank. Mit mir machen sie kein Geschäft, wollen sie auch gar nicht, denn wegen mir sperren sie ihre Geschäfte nicht auf. An diesem Feiertag schlafen sie länger und tun gut daran, denn ich hätte ihnen ohnehin nix abgekauft.
   Etwas keuchend in der Stadt oben angekommen, wandere ich ein wenig ziellos durch die Stadt. Mittelalterlich ist hier nicht mehr viel, zumindest nicht die Strassen und Gassen, auch wenn an allen Ecken und Enden schöne alte Fachwerkhäuser stehen, manche mit den charakteristischen vorkragenden Obergeschossen. Dennoch finde ich mehr durch Zufall als durch Plan auf den Place Guesclin mit schönen alten Häusern und anschließend in die Rue de l´Horloge, eine recht malerisch wirkende Gasse, von der aus ich einen schönen Blick auf den Uhrturm habe. 
   Anschließend wandere ich auf die Stadtmauer hinauf, im 13. Jahrhundert errichtet und weitgehend erhalten. Ich erreiche die Stadtmauer an jener Stelle, von der aus man einen schönen Blick auf den Hafen und die Rance tief unten hat. Dabei entdecke ich auch, dass ich auf einem Fußweg zur hässlichen Brücke aus Beton hinuntersteigen kann, von der ich dann den Blick auf den Hafen von Dinan haben werde, den das Bild im Internet zeigt. Das tue ich nun auch, denn was es für mich zu sehen gibt in Dinan, ohne irgendein Museum zu besuchen, habe ich gesehen. Eine Galette mit Zucker und Butter habe ich auch gegessen. 
   Von der Brücke habe ich sodann den gewünschten Ausblick auf den Hafen. Bei schönem Wetter müsste das schöne Fotos ergeben, indessen, dicke Wolken verdecken die Sonne, mir scheint, gleich würde es zu regnen beginnen. So mache ich bloss einige Aufnahmen, von denen ich gleich im Augenblick der Aufnahme weiss, dass sie mir nicht gefallen werden. Sei´s drum.
   Beim Auto angelangt, überlege ich, was ich als Nächstes tun könnte. Chateau Caradeuc könnte ich besuchen, das selbsternannte Versailles der Bretagne. Besuchszeit erst ab 15 Uhr. Also kein Caradeuc.
   Ich entscheide mich, Richtung Westen zu fahren. Auf der prächtig ausgebauten N167 bis zur Schnellstrasse Rennes-St.Brieux, von der dann auf Seitenstrassen ausgerechnet nach Moncontour südlich Lamballe. Viele Ziele hätte es gegeben, aber Moncontour klang so besonders schön. 
   Die Stadt liegt auf einem Hügelkamm, ist von Stadtmauern umgeben, eine Festung gibt es auch. Ich fahre in die Stadt hinauf, parke vor einem Supermarkt. Zur Kirche gehe ich, schön, alte Häuser, gut, aber Festung? Ich mache per Auto eine Stadtbesichtigung, indem ich durch etliche schmale Strassen fahre, zu einem Altersheim mit großem Parkplatz gelange, aber keine Festung. Also keine Festung für den Lausch. 
   Ich fahre weiter und auf der anderen Seite den Hügel hinunter Richtung Lamballe. Vom Tal aus blicke ich von einer steil ansteigenden schmalen Straße hinüber auf Moncontour – und da ist sie ja, die Festung mit ihren abweisenden Mauern. Da möchte ich kein Angreifer gewesen sein mit dem Auftrag, die Mauern zu stürmen. Keine Gelegenheit anzuhalten, kein Foto. Dafür scheint nunmehr die Sonne und sie wird bis zum Abend scheinen. Faustregel: Nachmittags ist das Wetter meistens schöner.
   Über Lamballe fahre ich auf der Schnellstrasse weiter nach Langueux. 
   Im Hotel Formule1 schaffe ich wiederum die Hürde des Computer-Check-ins, fahre anschließend unter der Schnellstrasse durch und zum Hypermarkt Carrefour, wo ich einkaufe und es mir dann im Hotel gut gehen lasse.
   Da es aber noch früh am Nachmittag ist und die Sonne beharrlich vom blauen Himmel scheint (wieder kündigt sich ein schöner Abend an, nach trübem Nachmittag), will ich die Zeit noch für einen Ausflug ans Meer ausnutzen.
   Daher fahre ich ins Ortszentrum von Langueux, das nur an der Kirche als solches zu erkennen ist. An der dortigen Straßenkreuzung biege ich rechts ab, halte mich dann links, sehe das Meer in der Ferne, finde aber keine Strasse, die zu einem Strand führt. Daher fahre ich nach Osten weiter, gelange in den Nachbarort Yffniac und fahre an einem eher unhübschen Schotterstrand vorbei. Da ich mich nicht entscheiden kann, wo ich am besten anhalten soll, bin ich unversehens auch schon aus dem Ort heraus und biege nach einiger Fahrerei in Richtung Hillion ab, einfach, weil der Wegweiser nach Westen zeigt. Ein Blick auf die Karte zeigt jedoch, dass dieses Hillion auf einer kleinen Halbinsel Langueux gegenüber liegt. Sei es. Hillion ist ein Minimalort, aber ich sehe immerhin Schilder zu mehreren verschiedenen Stränden, entscheide mich für einen davon, stelle auf einem steil abfallenden Parkplatz das Auto ab und wandere dem Meer zu. Ein steiler Felshang, ein Fussweg hinunter, unten eine relativ kleine Sandbucht - ich bin am selbstgewählten Ziel, einem Strand am Meer. Überzeugend ist der Strand nicht, immerhin sitzen einige Leute in Badekleidung im Schatten des Felshangs, denn ach, der Strand geht nach Norden und die tief stehende Sonne wirft lange Schatten. Mir ist nicht warm genug, auch nur die Zehen ins Wasser zu tauchen, versuchsweise. Auch den übrigen Badegästen ist anscheinend kühl geworden, als ich meinen Spaziergang den Strand entlang beendet habe, sind alle Badegäste fort und ich habe den Strand mit zwei Frauen und zwei Hunden für uns allein. 
   Ins Hotel zurückgekehrt, verbringe ich einen ruhigen Abend; mangels verständlichem Fernsehprogramms sinke ich recht bald in einen gesunden Schlaf.

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Geändert am  12. März 2005
© Peter Lausch